Was ist das TJO?

Im Theater-Jugendorchester-Projekt können jungen Musikerinnen und Musiker an einer Opernproduktion am Staatstheater Kassel mitwirken. Das Orchester wird für jedes Projekt bei Probespielen neu zusammengestellt und von Dirigent*innen des Staatstheaters geleitet. Musiker*innen des Staatsorchesters unterstützen die Probenarbeit.

 

Nach der Einstudierungsphase folgt die spannendste Zeit: die Endproben. Bei den Bühnenorchesterproben proben das Orchester und alle Darsteller*innen zusammen. Dabei kommen viele Fragen auf: Wie ist die Balance zwischen Orchester und Sänger*innen? Wie passen die szenischen Abläufe und die Musik zusammen? Bei den Hauptproben kommen schließlich Kostüme und Licht dazu. Dann folgt nur noch die Generalprobe und natürlich – die Premiere!


Mitmachen beim TJO

Das nächste Theater-Jugendorchester-Projekt ist für die Spielzeit 2020/21 geplant. Voraussichtlich ab Herbst 2020 werden wir hierfür Mitspieler*innen suchen. Wer Interesse hat, kann eine E-Mail an tjo@staatstheater-kassel.de  schreiben und sich in unseren Verteiler aufnehmen lassen.
Auf diesen Seiten gibt es außerdem die Möglichkeit, einiges über die vergangenen Projekte zu erfahren, v.a. über die jüngste Produktion BRUNDIBÁR.

rückblick

15. Theaterjugendorchester-Projekt Brundibár


Nach dem großen Erfolg 2017 beim 13. TJO-Projekt haben wir in der Spielzeit 2018/19 die Kinderoper BRUNDIBÁR wieder aufgenommen. Der Komponist Hans Krása schrieb das Werk 1938 in Prag nach einem Libretto von Adolph Hoffmeister. Nach seiner Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt notierte Krása das Werk erneut, weil er die Partitur nicht mitnehmen konnte. 55 Mal wurde BRUNDIBÁR in Theresienstadt aufgeführt und von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht. 

TJO 2019 Brundibár ©N. Klinger
TJO 2019 Brundibár ©N. Klinger

Regisseurin Franziska Schumacher über Brundibár

 

Die Kinderoper BRUNDIBÁR ist heute vor allem dafür bekannt, dass sie im Konzentrationslager Theresienstadt über 55 Mal von inhaftierten Kindern aufgeführt wurde und dort sowohl als Zuflucht aus der Realität als auch als Hoffnungsträger für die Darsteller*innen und Zuschauer*innen fungierte. Ursprünglich wurde das Stück von Hans Krása und Adolf Hoffmeister allerdings nicht für diese Zwecke komponiert, denn die Uraufführung fand 1941 nicht in Theresienstadt, sondern in einem Prager Kinderheim statt.

 

Die Geschwister Aninka und Pepicek sind für die Zuschauer*innen die Identifikationsfiguren. Sie erleben mit, wie die Beiden zunächst mittellos keine Chance haben, Milch für die kranke Mutter zu besorgen. Erst mithilfe der Tiere gelingt ihnen schließlich ihr Vorhaben, indem sie von den vielen anderen Kindern Unterstützung erhalten. Somit siegen letztlich die Schwächeren über den dominanteren, böswilligen Brundibár.

 

In der Kasseler Inszenierung von BRUNDIBÁR wird auf die ursprüngliche Idee zurückgegriffen, das Werk als eine Art Parabel zu verstehen, ohne jedoch den Kontext der Rezeptionsgeschichte komplett zu vernachlässigen. Dieser spiegelt sich zum einen in einem gesonderten Rahmenprogramm wieder, aber auch in der Ouvertüre, die extra für die Kasseler Inszenierung entstanden und mit einem Gedicht von Gerty Spies graphisch unterlegt ist. Die Szenerie greift im Gegensatz zu vielen anderen Inszenierungen jedoch nicht direkt den Nationalsozialismus und das Leben im Konzentrationslager auf, sondern rückt in abstrakter Form das Hinterfragen vermeintlicher (Über-)Macht und die Auseinandersetzung mit Formen von Solidarität in den Fokus.

Simon Rubisch als Brundibár © N. Klinger
Simon Rubisch als Brundibár © N. Klinger

 

In dem Leierkastenmann Brundibár sehen wir einen Blender, der problemlos mit Parolen und einfachen Effekten die Menge für sich gewinnen kann. Für viele der damals in Theresienstadt gefangenen Kinder war Brundibár ein Synonym für Hitler und auch heute lässt sich das Wesen seines populistischen Gedankenguts überall auf der Welt wiederfinden.

 

Das Kostümbild orientiert sich an der Zeit der Entstehung der Kinderoper. Prinzipiell werden durch die Kostüme zwei Welten gezeigt. Aninka und Pepicek sind, ebenso wie das Volk, recht gewöhnlich gekleidet. Demgegenüber stehen diejenigen, die den Marktplatz als „ihr Revier“ bezeichnen würden, also Brundibár, die Verkäufer*innen, der Polizist, aber auch die Tiere. Ihre Kostüme sind an den Kubismus angelehnt und wirken wie aus einer anderen Welt. Das soll die große Distanz darstellen, die aus Sicht von Aninka und Pepicek zwischen ihnen und den Verkäufer*innen, beziehungsweise Brundibár liegt.

 

Mitglieder des CANTAMUS-Chores © N. Klinger
Mitglieder des CANTAMUS-Chores © N. Klinger

 

Stilistisch hält sich auch das Bühnenbild an die Zeit vor den Weltkriegen, an die künstlerisch pulsierenden Jahre des Dadaismus, Kubismus, Futurismus etc., also alles, was später unter der Nazi-Herrschaft als „entartete Kunst“ galt und verboten wurde. Damit wird die enorme Schaffenskraft der Künstler*innen der damaligen Zeit honoriert. Schließlich wurde die bildende Kunst, wie alle anderen Künste stark eingeschränkt und erholte sich davon viele Jahre nicht. Wer das Bühnenbild zu „Brundibár“ sieht, wird schnell den Bezug herstellen können. Versatzstücke werden, wie für den Dadaismus typisch, in ganz neuem Kontext angeordnet und somit neu interpretiert. Das schafft Raum für Fantasie und neue Assoziationen.

 

Obwohl der Holocaust in der Inszenierung nicht direkt thematisiert wird, ist sie doch davon beeinflusst. Man kann das Stück also als die Geschichte zweier Kinder betrachten oder weitere Ebenen in die Auseinandersetzung und Interpretation miteinbeziehen.

 

Franziska Schumacher

 


Proben, Proben, Proben

Gemeinsame Probe auf der Probebühne des Staatstheaters
Gemeinsame Probe auf der Probebühne des Staatstheaters

Der Probenprozess von Brundibár geht in die heiße Phase!

 

Am Samstag, den 25. Mai, trafen zum ersten Mal die jugendlichen Orchestermusiker und jungen Sängerdarsteller für eine gemeinsame Probe auf der Probebühne des Staatstheaters zusammen.

 

Nachdem zunächst musikalische Proben und szenische Arbeit getrennt stattfanden, beginnt nun die Endprobenphase, in der Orchester, Chor und Solisten in gemeinsamen Proben zusammen arbeiten und ein Team werden. Auf der Zielgeraden werden sie unterstützt vom Produktionsteam, zu dem neben vielen anderen die Regisseurin, die Musikalische Leiterin, der Dramaturg, die Bühnenbildnerin, die Kostümbildnerin, die Inspizientin und der Bühnenmeister gehören.

 

Gemeinsam wird nun in Detailarbeit am Stück gefeilt. Wir sind gespannt!

Szenische Probe auf der Schauspielbühne mit Regisseurin Franziska Schumacher
Szenische Probe auf der Schauspielbühne mit Regisseurin Franziska Schumacher

Unsere Kooperationspartner

In gemeinsamer Arbeit mit den Kooperationspartnern wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm für Brundibár auf die Beine gestellt, insbesondere gelingen so die zahlreichen Workshops für Kinder und Jugenliche in und um Kassel.

 

Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben

 

Stadtmuseum Hofgeismar

 

Institut für Musik der Universität Kassel

 

Das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben in Kassel begann mit der Zusammenarbeit mit den Workshops für die jungen Darsteller, in denen die Auseinandersetzung mit der Hintergrundgeschichte der Kinderoper Brundibár stattfand.

 

Außerdem bietet das Sara Nussbaum Zentrum weitere Workshops, Stadtführungen, Konzerte sowie Projektarbeit zu Brundibár in Verbindung mit Jüdischer Geschichte in Kassel und aktuellen Fragen der Toleranz und des Miteinanders für Gruppen und Schulklassen an.

 

 

 

Im Stadtmuseum Hofgeismar fand zu Beginn des Jahres eine Matinée zu Brundibár statt. Dabei wurde die Geschichte des Werkes mit der lokalen Geschichte Hofgeismars verknüpft. Besucher konnten von Schicksalen Hofgeismarer Juden erfahren, die zur Zeit des Nazionalsozialismus in das Ghetto Theresienstadt deportiert wurden.

 

Die Matinée wurde musikalisch vom CANTAMUS-Jugendchor begleitet.

 

Dazu veranstaltet auch das Stadtmuseum Hofgeismar Workshops in Schulen und Führungen durch das Museum.

 

In einem Seminar des Instituts für Musik der Universität Kassel zu Brundibár lernten Studierende das Werk und seine Geschichte kennen. Die angehenden Lehrer und Lehrerinnen erarbeiteten Ideen und Methoden zur Vermittlung dieser Inhalte an Kinder und Jugendliche. So wirken sie ebenfalls an Workshops in Schulen mit.

 

Im Rahmen des Seminars fand zudem eine Reise ins ehemalige Ghetto Theresienstadt statt.


Soirée zu Brundibár

Mitglieder des CANTAMUS-Jugendchores
Mitglieder des CANTAMUS-Jugendchores

Dienstag, 28.05.2019, 18:30 Uhr | Schauspielhaus

 

Der Dramaturg Christian Steinbock gibt eine Einführung in das Werk und seine Geschichte, musikalisch begleitet mit Liedern von Ilse Weber und Hans Krása von Maria Radzikhovskiy, Elena Padva und dem CANTAMUS-Jugendchor.

 

 

 

Im Anschluss findet ein Gespräch mit der Regisseurin Franziska Schumacher statt. Außerdem haben Besucher die Gelegenheit, eine szenische Probe zu erleben.


Ausstellung »Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen«

Im Foyer des Schauspielhauses wird vom 28.05. bis zum 27.06.2019 die Ausstellung »Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen« präsentiert. Sie zeigt Kinderzeichnungen und Gedichte aus Terezín und bietet Hintergrundinformationen zum Ghetto Theresienstadt.

 

» ... mich ruft der Löwenzahn

und auch der weiße Zweig im Hof auf der Kastanie

doch einen Schmetterling hab ich hier nicht gesehen

das war gewiss der allerletzte,

denn Schmetterlinge leben hier nicht

im Ghetto«

 

aus dem Gedicht »Der Schmetterling«

von Pavel Friedmann (übersetzt von Otto Kalina)


Uraufführung »Children of Terezín«

Larissa Kofman © MuperPhoto
Larissa Kofman © MuperPhoto

Das TJO Brundibár wird in neuer Besetzung wiederaufgenommen – gleichzeitig kommt es dieses Jahr am Staatstheater Kassel zu einer Uraufführung:

 

Die israelische Komponistin Larissa Kofman hat für das Staatstheater Kassel das Stück »Children of Terezín« (»Kinder von Terezín«) komponiert, das 2019 als Prolog Hans Krásas Oper vorangestellt erklingen wird.

 

»Children of Terezín« von Larissa Kofman ist eine Art Memoria an die Kinder des Ghettos Theresienstadt. Die israelische Komponistin macht darin ihre tiefe Tragik hörbar und setzt sich mit dem Thema »Katastrophe« auseinander. Expressionistisch und bildhaft zeichnet Kofman eine düstere Atmosphäre, die durch die Vorahnung von etwas Bösem und dem Gefühl von Angst und Auswegslosigkeit hervorgerufen wird. Gleichzeitig klingen hier und dort Melodien aus Brundibár an, die Kofman in ihre Komposition hineingewebt hat.

 

Vor der Aufführung werden Hintergrund- und Entstehungsgeschichte in einem umfangreichen Rahmenprogramm behandelt. Noch im Foyer des Schauspielhauses können Zuschauer darüber in der Ausstellung »Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen« lernen. Sobald später auf der Bühne und im Zuschauerraum Hans Krásas Musik erklingt, tauchen wir ab in ein Märchen von Freundschaft, Träumen und Hoffnung.

 

Die Inszenierung steht einerseits für sich und ist gleichzeitig durch den Prolog von Larissa Kofman und seine Ausgestaltung musikalisch und szenisch mit dem geschichtlichen Hintergrund verbunden.


Inspiriert – Theater im Gottesdienst

zum 15. TJO-Projekt BRUNDIBÁR

Sonntag, 26. Mai 2019, 10.00 Uhr | Martinskirche

 

Die Predigtreihe »Inspiriert!« in der Martinskirche zu ausgewählten Inszenierungen ist ein gemeinsames Projekt des Staatstheaters Kassel, der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirchengemeinde St. Martin.

mit dem CANTAMUS-Chor

 


Workshops zu Brundibár

Staatstheater Kassel / Musiktheaterpädagogik

Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben

In vielen Schulen in Kassel und Kasseler Umgebung finden zahlreiche Workshops zu der Kinderoper BRUNDIBÁR und ihrer Hintergrundgeschichte statt.

 

Der historische Hintergrund soll nicht nur Geschichte bleiben, sondern einen Bezug zu heute bekommen und zum Nachdenken bewegen, wie wir miteinander umgehen und wie wir unsere Zukunft gestalten wollen.

 

In den Workshops wird über Holocaust, Ausgrenzung, Menschenhass und Toleranz mit den Schülerinnen und Schüler gesprochen. Diese Inhalte werden an Bespielen einzelner Schicksale und vor allem durch Kunst und Musik einfühlsam vermittelt.