12. TJO - Tom Sawyer

- Theater neu erfahren -


TOM SAWYER

Musical in einem Akt von Jonathan Elkus nach Mark Twain


Auf der Bühne nicht nur „spielen“, sondern „sein“

©N. Klinger
©N. Klinger

Die Zeit, in der ich an dem 12. TJO-Projekt, dem Musical Tom Sawyer, teilgenommen habe, werde ich immer in Erinnerung behalten, denn es war für mich nicht nur eine besondere und einmalige Erfahrung, sondern vielleicht auch ein kleiner prägender Abschnitt meines Lebens.

 

Über ein halbes Jahr vor der Premiere fanden die ersten musikalischen Proben statt. Als wir dann, einige Monate später, bei den ersten szenischen Proben auf den Regisseur Philipp Rosendahl trafen, mussten wir uns erst einmal auf eine besondere und ungewöhnliche Arbeit einstellen. Über Wochen hinweg bestanden die Proben vor allem daraus, in unterschiedlichen Tempi und Charakteren über die Bühne zu laufen. Erst nach und nach wurden unsere Aufgaben etwas modifiziert und erweitert. Wir spielten Spiele, erkundeten die Bühne, schrieben kurze Texte zum Thema

»Ausbruch«, wir sollten uns intensiv mit dem Verhalten eines Tieres auseinandersetzen, welches wir uns aussuchen konnten, um in der Probe letztendlich eine Szene im Körper dieses Tieres zu entwickeln.

 

All das hat reichlich wenig mit »Tom Sawyer« zu tun, nicht wahr? Das dachten wir uns auch. Dabei wurden wir aber, ohne es selbst zu merken, in die Welt des Theaters eingeführt! Wir lernten, auf der Bühne nicht zu »spielen«, sondern zu »sein«. Jeder versank auf seine eigene Art und Weise in seiner Rolle und sogar die einzelnen Szenen unterschieden sich je nach Besetzung. Die Inszenierung wurde zu einem Prozess, in den wir ganz tief mit eingebunden wurden. Wir sammelten gemeinsam Ideen für die Requisiten und das Bühnenbild, was teilweise auch zu absurden »Insidern« führte, die in der Inszenierung ihren Platz fanden. Zum Beispiel bekommt Tom Sawyer laut Liedtext von den Kindern dafür, dass er sie den Zaun streichen lässt, unter anderem zwölf Murmeln – nun ja, bei uns bekam Tom Sawyer eben zwölf Murmeltiere. Statt eines kaputten Messers gab es eine Axt, statt Knallbonbons »firecrackers« eine Tüte Chips. Es wurde ein Einhorn geangelt und geraucht wurde aus einem Schornstein. Sogar das Jugendorchester wurde in die Inszenierung mit einbezogen und komponierte zu einer Szene eine eigene Klanginstallation. Und trotz des ganzen Spaßes, den wir während der Proben und Aufführungen empfanden (oder gerade deswegen?) gelang es, starke und auch bedrückende und energiegeladene Bilder zu erzeugen.

 

Alexandra Aykaeva

Mitwirkung 12. TJO


©N. Klinger