Das Regiegkonzept für Brundibár in Kassel

Neben den üblichen Fragen zu Schwerpunkten, Streichungen etc. setzte sich das Regieteam auch damit auseinander, wie die Themen Judenverfolgung und Theresienstadt, die ja untrennbar mit dem Stück verknüpft sind, eingebunden werden konnten. So entstand ein Rahmenprogramm, das sich intensiv mit dem Holocaust beschäftigte.

Der Theaterabend selbst begann mit dem Gang durch die Ausstellung »Zeichne was du siehst« mit Bildern von Helga Weissová, die selbst einen Teil ihrer Kindheit im Ghetto Theresienstadt verbringen musste.

 

Noch bevor dann das eigentliche Stück anfing, spielte das Theater-Jugendorchester die 1999 komponierte »Hommage à Brundibár« von Petr Pokorný, während das Gedicht »Des Unschuldigen Schuld« von Gerty Spies eingeblendet wurde. Der Inhalt des Gedichts ist zeitlos und kann auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen übertragen werden.


Des Unschuldigen Schuld

 

Was ist des Unschuldigen Schuld -

Wo beginnt sie?

Sie beginnt da,

Wo er gelassen, mit hängenden Armen

Schulterzuckend daneben steht,

Den Mantel zuknöpft, die Zigarette

Anzündet und spricht:

Da kann man nichts machen.

Seht, da beginnt des Unschuldigen Schuld.

 

aus: Gerty Spies: Des Unschuldigen Schuld, Mainz 1977, S. 13


Brundibár (Ansgar Lorenz) ©N. Klinger
Brundibár (Ansgar Lorenz) ©N. Klinger

Ein wichtiger Aspekt ist natürlich die Figur des Brundibár. Wir wollten ihn nicht einfach als bösen Leierkastenmann darstellen. In Brundibár sehen wir einen äußerst talentierten Blender, einen Populisten, der es leicht schafft, eine ganze Menschenmenge um sich zu scharen, während zwei arme Kinder alles geben müssen, um Geld für ihre kranke Mutter zu sammeln. Viele in Theresienstadt inhaftierte Kinder sahen in Brundibár Adolf Hitler höchstpersönlich, wie man heute aus vielen Interviews weiß. Auch Hitler hatte zunächst die Massen begeistert, bevor klar wurde, welche Absichten er tatsächlich verfolgte. Aber nicht nur damals, auch heute fallen noch unglaublich viele Menschen auf Populisten und ihre »Fassaden« herein.

Das sehen wir an den hasserfüllten Reden u. a. der PEGIDA in Dresden oder der wachsenden Zahl rechtspopulistischer Bewegungen in Europa und anderen Teilen der Welt. Brundibár wirkt auf den ersten Blick vielversprechend und die Menge folgt ihm. Doch schon bald wird deutlich, dass er nicht der Friedensbringer ist, an den man beim Klang seiner Drehorgel zunächst denkt.

 

Franziska Schumacher

Regisseurin

Eindrücke von Bühne und Kostümen

Bühne: Sibylle Pfeiffer

Kostüme: Anna Kusmenko